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5.9.2010 : 16:52

Newsdetails

05.02.2010 08:53 Alter: 212 Tage

Bericht in der Ethos 2-2010

Kategorie: Deuschland News

Von: Roland Schwanecke

Fremde werden Freunde

Im süddeutschen Sinsheim helfen Christen Flüchtlingen.

Wo Freundschaften wachsen, gibt es auch Gespräche über den Glauben.

Sie kommen aus den verschiedensten Ländern, meist aus dem Süden.

In   Deutschland erhoffen sie sich ein besseres Leben. Sie kommen wegen wirtschaftlicher Knappheit oder aus einer Verfolgungssituation heraus. Manche gelangen nur unter Einsatz ihres Lebens nach Europa. Sie suchen im Westen das Leben und sind der Ansicht, dass wir es für sie haben.
Flüchtlinge haben in der Europäischen Union keine Lobby. Manche lassen in ihrer Verzweiflung, und um nicht abgeschoben zu werden, die Ausweise verschwinden. Viele Flüchtlinge werden im Asylverfahren und der  anschliessenden Revision abgelehnt und leben hier mit Duldung – und mit der unablässigen Angst vor der Abschiebung. 
Im süddeutschen Sinsheim, unweit von Heidelberg, haben engagierte Christen die Notlage der Asylbewerber erkannt – und sie in den Übergangsheimen  besucht, mit ihnen gesprochen. Im Rahmen eines Gottesdienstes erzählten sie über ihren Besuchsdienst. Dies motivierte anschliessend einige der  Gottesdienstbesucher zur Mithilfe. Im Januar 2005 gründeten sie einen gemeinnützigen Verein, die Sinsheimer Arbeitsgemeinschaft Migration (SAM).
«Wir von SAM sind Christen aus unterschiedlichen  Gemeinden mit dem gemeinsamen Anliegen, nach Wegen zu suchen, um diesen Menschen zu helfen», erklärt Marcel Fink, der zusammen mit Andreas Banse den Verein leitet. Die beiden  haben eine Vision. Sie wollen nicht nur Lobby für die Migranten sein, sondern sie zu ihren Freunden machen – ihr Motto: Fremde werden Freunde. «Es geht uns nicht darum, diese Freunde plakativ zu missionieren», sagt Marcel Fink. Wirkungsvoller sei es, Christsein vorzuleben und «ihnen zu zeigen, dass man sie gerne hat». Die Erfahrung der Flüchtlinge in Deutschland ist eine andere: Sie erfahren, dass man sich nicht um sie kümmert. Wo dies anders ist, werden sie auf die Motivation ihrer Helfer, auf die Christen, neugierig. Inzwischen kommen selbst Muslime zu den Mitarbeitern in die christliche Gemeinde, um herauszufinden, warum ihnen von der SAM-Mannschaft geholfen wird. Dadurch ntstehen immer engere Kontakte, es ergeben sich Gespräche und so werden aus Fremden Freunde. Äusserst wichtig sei, so Marcel Fink, dass man sich für andere Menschen wirklich interessiere. Dann entstehe eine Beziehung, man komme ins Gespräch und erzähle auch von seinem Glauben. Marcel Fink: «Diese Menschen geben nur etwas von sich preis, wenn die Beziehung
zur Freundschaft herangewachsen ist. Das kann unter Umständen sehr lange dauern, weil sie hier von uns Einheimi-schen schon oft enttäuscht worden sind. Es geht auch nicht darum, ihnen zu sagen, was richtig oder falsch ist, sondern es ihnen vorzuleben.» Es komme auf die Art und Weise an, wie Mission geschehe, überlegt Andreas Banse. «Fremde müssen zu Freunden werden, so hat es unser Heiland vorgelebt », meint er dann und erinnert an Jesus, der sagte: «Geht hinaus in die Welt!» 
Die SAM-Mitarbeiter suchten eine geeignete Örtlichkeit, die sich für einen  Begegnungsraum eignet. Hier sollen Begegnungen zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen stattfinden können, ein «multikulturelles Café». Mitten in der Sinsheimer Innenstadt ist dieser Ort der Begegnung, eine Plattform für Integration, nun Wirklichkeit. Einmal im Monat trommelt hier Isaak Odungo* zusammen mit den Gästen. Er ist Christ und musste aus Nigeria fliehen, weil er als Modedesigner von den Muslimen stark angefeindet wurde. Radikale Muslime verübten Anschläge auf sein Geschäft. Morddrohungen zwangen ihn zur Flucht.
Das SAM-Team macht für die Flüchtlinge  regelrechte Sozialarbeit. Von Hilfestellungen bei den Ämtern bis hin zur Vermittlung von Anwälten für die Asylverfahren und Hausaufgabenbetreuung für ihre Kinder. SAM ist Teil des Netzwerks «Integrationskreis Sinsheim» und gibt auch andere ergänzende Hilfen, wie zum Beispiel Deutschkurse. Seit einiger Zeit erhält der Verein staatliche Fördergelder.

Das SAM-Team hofft, dass die gelungene Umsetzung ihrer Vision auch in anderen Städten Nachahmer findet.